Honda Hornet 1000 SP, Modell 2025

Die wohlerzogene Wahnsinnige
In der Entwicklungsabteilung von Honda schlug wohl jemand vor: "Lasst uns zur Abwechslung mal ein Spaßmotorrad bauen. Etwas fürs Herz. Schön, stark, minimalistisch und mit moderner Technik."
Für den Vernunftkonzern Honda ist es wirklich ungewöhnlich, dass diese Idee durchgewunken wurde.
Das Ergebnis ist die Hornet 1000 SP.
​​
Honda hat endlich mal ein Motorrad gebaut, das nicht aussieht wie eine Wohnzimmerwand.
Sie hat eine graublaue Lackierung, die perfekt zu dem güldenen Showa/Öhlins Fahrwerk nebst gleichfarbenen Felgen passt.
​​
Tochter T. rief begeistert aus: "Das ist das Motorrad meiner Träume! Die will ich haben!"
Und so geschah es auch.
​​​​​​​​​

Als das Moped nun in all seiner Pracht auf dem Hof stand, sprang immer wieder dieses bleischwere Ofenrohr, dass Honda offensichtlich noch im Regal liegen hatte, ins Auge. Das fette Ding passt optisch überhaupt nicht zu dieser bis ins Detail gestylten Hornet.
​
Kurzum: das Ding musste weg.
​​​
​​Benötigt man ästhetische Produkte für Aug und Ohr, muss man nach Italien gucken. Und so stießen wir dort auf den Carbon-Auspuff von SC Project.
​
Hier sind 2 Videos vom Auspuff vorher und nachher.
​​​
Der klobige Originalauspuff scheppert so vor sich hin...
​
Der 2,3 kg leichtere Carbon-Auspuff hat eine deutlich sportlichere Linienführung und einen sonoren bassbetonten Sound (auf dem Handy nicht im vollen Umfang hörbar).
​

Die Hornet 1000 SP hat eine Streetfighter Charakteristik mit Rennblut. Man erlebt auf ihr Direktheit, Spaß und Power. Sie ist leichtfüßig wie ein Mittelklasse-Bike.
Und sie hat eine feine Elektronik ohne den Fahrer ungefragt zu nerven.
​
Die Brembo Bremsen sind super exakt dosierbar und könnten auch vom Kollegen aus dem Sägewerk bedient werden. Mehr als 2 Finger sind nicht nötig.

Im Zentrum des Geschehens sitzt der bewährte 2017er Fireblade Motor, der so überarbeitet wurde, dass er im unteren Drehzahlband reichlich Drehmoment hat. Das ist ja bei der Yamaha R1 SP nicht der Fall wie Insider berichten, die beim Anfahren gerne mal im Blumenbeet landen.
​
Durch die Auspuffmodifikation gibt es jetzt satte 159 PS und 108 Nm bei 210 kg fahrfertigem Gewicht.
​
Und selbstverständlich einen Quickshifter ab Werk.
​

Das Display ist das beste, das ich je gesehen habe. Hell, aber nicht grell, absolut gut ablesebar und selbst für das Kleingedruckte muss man nicht erst die Lesebrille hervorkramen. Vor allem ist es informativ ohne überladen zu sein.
Das Herzchen oben links mit der 2 zeigt an, dass wir uns im Modus Benutzer #2 befinden. Den habe ich nach einer ausgiebigen Testfahrt mit dem neuen Auspuff einstellen müssen, um das wildgewordene Moped zu zähmen.
​​
Durch den Project SC Auspuf öffnen bei hohen Drehzahlen die Drosselklappen schon bei der allerkleinsten Handbewegung sehr abrupt. Das hat eine extrem direkte Gasannahme mit sofortigen Drehmomentzuwachs zur Folge.
​
Grüßt du beispielsweise einen entgegenkommenden Motorradfahrer und fährst dabei zufällig in ein Schlagloch, reagiert das Ride-by-Wire instantan und das Bike macht einen Satz.
Fährt man mit solch einem einhändigen Gehampel im Sportmodus, sorgt die Hornet 1000 SP für ordentliche Adrenalinduschen beim Fahrer.
Wir merken uns: Im Sportmodus wird jetzt ernsthaft gefahren!
​​

Trotz diverser Einstellmöglichkeiten, ist die Anzahl der Knöpfe am Lenkerende spartanisch. Nach den Erfahrungen mit der NT 1100 hatte ich jeden Glauben an minimalistische Lenkerenden verloren.
Doch auch hier wurde das Konzept Spaßmaschine konsequent durchgezogen - ein Hoch auf die Honda-Ingenieure!
​

Der Arbeitsplatz.
Der gekröpfte breite Lenker ist top. Man sitzt halbsportlich aufrecht sehr weit vorne mit wenig Gewicht auf den Handgelenken. Der steile Lenkkopfwinkel vermittelt das Gefühl, dass man direkt am Vorderrad lenkt.
​
Der Sitz ist ein Gemisch aus Sportsitz (kaum gepolstert) und Streetfightersitz (Metallplatte). Verwöhnten Sesselfurzern tut nach 1 Stunde der Boppes weh.
Kein Grund zur Klage, da muss man halt an seinem Sitzfleisch arbeiten. Es lohnt sich!​​​​
Fazit:
​
Die Hornet 1000 SP sieht zum Verlieben aus. Sie hat eine Ausstrahlung, die dich sofort einfängt – du kannst gar nicht anders, als draufsteigen und losfahren. Ziehst du einmal los, kriegst du das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
​
Leistung hat sie ohne Ende, sie zieht wie Sau, bleibt aber anständig unten. Sie klebt auf dem Boden wie Currywurstsoße am T-Shirt - solange man keine Kapriolen veranstaltet.
​
Der Originalauspuff gehört in die Tonne. Mit dem neuen Topf klingt sie endlich so, wie sie fährt: Ein bisschen irre, aber mit Stil.
​
Die Technik? Sehr gut. Sehr bezahlbar. Sehr sympathisch.
​
Das Ding macht Laune. Richtig Laune.
​





